Europäische Woche der Abfallvermeidung 2016

Die Auftaktveranstaltung in Berlin

Die Umweltministerin Frau Hendricks hat es sich nicht nehmen lassen und die EWAV 2016 eröffnet. In ihrer Rede ging sie vor Allem auf zwei große Themen ein: Mehrweg und Langlebigkeit. Beides kann mit politischen Steuerungsmechanismen gestaltet werden. Produkte sollen in Zukunft bereits so gebaut werden, dass sie lange halten, leicht zu reparieren, Einzelteile austauschbar und damit wiederverwendbar sind. Am Ende ihres Lebens sollen sie gut recycelt werden können. Unter dem Stichwort „Ökodesign“ erarbeitet die EU gemeinsam mit den Mitgliedsländern derzeit diese neuen Standards für Produkte. Thema der Veranstaltung war auch das Abfallvermeidungsprogramm. Ein solches Programm muss jedes Mitgliedsland der EU haben. Es wurde eine positive Halbzeitbilanz gezogen.

Highlight der Veranstaltung in Berlin waren aber die mitreißenden Redebeiträge der vier „Leuchttürme“ der Abfallvermeidung. Signe Heins stellte das preisgekrönte Abfallvermeidungs-Projekt der Bürgerinitiative WeddingWandler vor. Marie Delaperrière, Gründerin der unverpackt-Bewegung berichtete von ihrem erfolgreichen Geschäft in Kiel. Sie gibt darüber hinaus Workshops für GründerInnen von unverpackt-Läden in ganz Deutschland. Julia Post aus München stellte ihre Initiative „coffee to go again“ vor. Mit Aufklebern signalisieren Cafés und Bäckereien, dass sie sich über mitgebrachte Mehrwegbecher freuen. Der Preisträger Andreas Frädrich sprach über sein Modellprojekt „Pflanzenrettung“. Auf Bestellung werden große und kleine Pflanzen abgeholt und bekommen bei Pflanzenrettung ein neues Leben, zum Beispiell als Leihpflanze auf Großveranstaltungen.

Alle Präsentationen der Veranstaltung stehen online zur Verfügung.

Supermärkte ohne Verpackungen

Zu viele Verpackungen in Supermärkten sind oft ein Ärgernis für VerbraucherInnen. Darauf reagierten die Supermärkte familia und Combi in Norddeutschland. Sie organisierten Führungen durch die Märkte. Kunden konnten sich von verpackungsarmen Produkten überzeugen lassen und bekamen Tipps für abfallarmes Einkaufen direkt vom Supermarkt selbst.
Wer es ganz ohne haben wollte, der konnte die mittlerweile über 30 Unverpackt-Läden in Deutschland besuchen. Diese schlossen sich für eine gemeinsame Plakatkampagne zusammen. An zahlreichen Orten, wie etwa in Mageburg und Hannover, organisierten die Ladenbesitzer zusätzlich Workshops oder Lesungen rund um das Thema Abfall.  
Die Verbraucherzentrale NRW nahm das Jahresmotto zum Anlass, eine tiefergehende Verbraucherumfrage durchzuführen. Welche Verpackungen sind besonders ärgerlich? Wo fällt zu viel Abfall an? Im zweiten Schritt kontaktierte die Verbraucherzentrale die Hersteller dieser Verpackungen und erhielt teils überraschende Antworten. Die Ergebnisse der Verbraucherstudie wurden anlässlich der Aktionswoche veröffentlicht und können nachgelesen werden. Die Verbraucherzentrale bleibt dran!

Das brauch‘ ich noch!

Die Reparatur ist auf dem Vormarsch. Woran man das merkt? Zum Beispiel an den zahlreichen Reparaturinitiativen, die von Jahr zu Jahr mehr werden. Während der Aktionswoche öffneten über 50 Repair-Cafés ihre Tore, um Neugierige zum Wiederverwenden einzuladen. Teilweise gab es sogar Neueröffnungen, so etwa in Duisburg. Auch in Dresden fand ein Pop Up Repair-Café statt. Alte Fahrräder wurden repariert. Jeder, der eines mitbrachte, konnte sich als Dank den Dresdner Mehrweg-Thermobecher mitnehmen.

Auch viele Wiederverwendungs-Kaufhäuser beteiligten sich an der Kampagne. Das Kaufhaus Neufundland gestaltete etwa eine ganze Aktionswoche gemeinsam mit vielen Akteuren der Stadt Frankfurt und lockte damit neue und alte Kunden an.

Mit einer fulminanten Europäischen Woche der Abfallvermeidung endete das Jahr 2016. Nicht nur in Deutschland, auch in ganz Europa konnten Teilnehmer-Rekorde erzielt werden. Dies hebt die Aktionswoche, die bereits zum siebten Mal stattfand, auf ein neues Level der öffentlichen Wahrnehmung. Genau dies ist auch ihr Ziel: Kurz vor der Weihnachtszeit sollen die Abfallberge in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden. Dabei geht es den Aktionen um Sensibilisierung und Informationen, aber auch um das Aufzeigen von Alternativen.

Denn es gibt sie, die Wege aus der Wegwerfgesellschaft. Diese auch zu beschreiten ist bei dem diesjährigen Motto „Verpackungsabfälle vermeiden“ besonders angezeigt. In keinem anderen Land der EU werden so große Verpackungsabfallmengen produziert wie in Deutschland – Tendenz seit Jahrzehnten steigend.

Einweg zum Mitnehmen? – nein Danke!

Das Thema Coffee to Go dominierte die diesjährige Aktionswoche. Zahlreiche kommunale Abfallwirtschaftsbetriebe schlossen sich mit regionalen Bäckereiketten zusammen und boten ab Ende November den Kunden flächendeckend Mehrwegbecher an. Besonders erfolgreich verlief dies im Landkreis Lüneburg, Niedersachsen und im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg. Einen Mehrweg-Coup landete die Stadt Freiburg mit einem neuen Pfandsystem für Kaffeebecher – dem FreiburgCup. Und auch im Landkreis Göttingen ließ man sich etwas Besonderes einfallen. Alle MitarbeiterInnen der öffentlichen Einrichtungen des Landkreises erhielten einen Mehrwegbecher. Mit diesem können fortan die Einwegbecher in den Kaffeeautomaten der Behörden ersetzt und so Tausende von Becher eingespart werden.

Kinder und Jugendliche mitnehmen

Umweltbildung stand ganz weit oben auf den Aktionsplänen 2016. Unzählige Kindergarten- und Schulkinder kamen in Projektwochen mit Abfallvermeidung aktiv in Kontakt. So tourte das Ressoucenschutz-Projekt „REdUSE“ auf Einladung der Kommunen durch verschiedene Orte des Landes.

 

Bei den Kleineren stand das Thema Mülltrennung und das Verständnis für Müllzusammensetzung im Fokus. So machte zum Beispiel „Inspektor Energie“ auf Einladung der Kommunen halt in Mecklenburg-Vorpommern, um  mit Kindern über die Inhaltsstoffe von Elektrogeräten zu sprechen. Dabei verstanden die Kinder, warum diese wertvoll und daher keine Wegwerfprodukte sind und auch auf keinen Fall in den Restmüll gelangen dürfen. „Herr Stinknich“ besuchte mit einem müllvollen Programm Grundschulen in Mannheim und in Bremen. Die „Koblenzer Puppenspiele“ reisten durch den Kreis Cochem-Zell mit einem Abfallvermeidungs-Stück für Grundschulkinder.

 

Europäisch Denken – lokal Handeln

Erstmals fanden zwei Kooperationsaktionen statt. Dabei schlossen sich Akteure in Deutschland mit Akteuren im europäischen Ausland zusammen, vernetzten sich und telefonierten, tauschten Best Practice Beispiele aus und erzählten sich gegenseitig, wie die Abfallvermeidung im eigenen Land funktioniert. So zum Beispiel im Landkreis Regensburg. Mit dem Projekt „Gib‘ mir den Rest“ entwickelte der Landkreis ein Restekochbuch. Mit diesem Buch wird ein Koch und Ernährungsberater in Schulen eingesetzt. Gemeinsam kochen die Schüler aus Resten Gerichte und lernen wieder neu, Lebensmittel wertzuschätzen. Ähnliches tat eine Schule in Schottland. Die Klassen in den beiden Orten vernetzten sich und sprachen gemeinsam über ihre Erfahrungen mit Lebensmittelverschwendung. 

 

Auch der DRK-Kindergarten in Lenkerbeck schloss sich über die Stadtgrenzen hinaus zusammen – und zwar mit dem EU Award-Gewinner 2015, dem Kindergarten Pumukli in Ungarn. Die Kinder bastelten im Rahmen der Aktionswoche aus Abfällen die deutsche und ungarische Flagge. Die ErzieherInnen vernetzten sich mit den ungarischen KollegInnen und gaben sich gegenseitig Tipps für die Arbeit mit den Kindern im Bereich Umweltbildung.