Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Akteure und Interessierte der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (EWAV),

wir machen uns wenig Gedanken, wie die Dinge, die wir anziehen, essen oder benutzen, produziert werden und welche Abfälle hierbei entstehen. Wir nehmen Abfälle erst dann als von uns produziert wahr, wenn wir selbst etwas wegwerfen. Aber welche Abfälle entstehen wirklich?

Immer das neuste Smartphone ist Pflicht und auch das zehnte Paar Sneakers ein Muss. Ist etwas kaputt oder funktioniert es nicht mehr, wie es soll, fliegt es sofort in die Mülltonne. Sachen, die früher ein Leben lang halten mussten, werden heute schnell einfach weggeworfen und durch neue Produkte ersetzt. War es früher normal, Kleidung zu flicken und Möbel, Schuhe, Haushaltsgeräte und Spielzeug zu reparieren, wird heute vieles einfach neu gekauft. Oft kaufen wir nicht nur ein, weil wir etwas brauchen, sondern gehen zum Zeitvertreib shoppen. Einige bezeichnen Shopping sogar als Hobby. Wir können anscheinend nicht genug davon bekommen! Und ständig werden neue Produkte entwickelt, produziert und angeboten, um unser Kaufinteresse hoch zu halten. Reparabel sind diese Dinge oft auch nicht.

Dieses Jahr wollen wir mit Ihnen einen ungewöhnlichen Weg beschreiten. Wir fragen uns, wie viel Abfall in Wirklichkeit beim Konsumieren produziert wird. Sehen wir tatsächlich alles, was an Abfall entsteht? Die Antwort ist: Nein!

Jahresmotto 2020: Invisible Waste:Abfälle, die wir nicht sehen – schau genau hin!

Aber was heißt Invisible Waste? Direkt übersetzt würde es „unsichtbare Abfälle“ heißen. Die Abfälle, von denen wir hier sprechen, sind aber natürlich nicht wirklich unsichtbar im Wortsinn, sondern einfach nicht immer für uns auf den ersten Blick erkennbar. Hier sind einige Ideenanstöße, was für Ihre kreativen Ideen unter „unsichtbaren Abfällen“ verstanden werden kann:

Produktionsabfall. Bis beispielsweise ein neues Smartphone überhaupt beim Händler landet, hat es bereits viele Abfälle verursacht. Wir freuen uns auf Aktionen, die zeigen, welche Abfälle von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zum Produkt, das wir dann als Verbraucher in den Händen halten, anfallen. Welche Idee haben Sie, wie diese „unsichtbaren Abfälle“ sichtbar gemacht und vermieden werden können?

Abfall beim Online Shopping. In zunehmendem Maße erledigen wir unsere Einkäufe online. Der Shutdown im Zuge der Corona-Maßnahmen hat diesen Trend noch beschleunigt. Eine analytische Studie der Freien Universität Berlin zeigt, dass der Online-Handel der Umwelt mehr schadet als der stationäre. Wenn wir bestellen, haben wir oft nur das Produkt selbst im Kopf und denken nicht an den Verpackungsmüll, der durch den Versand der Ware bei uns anfällt. Dazu kommt, dass wir oft retournieren. Den Forschern der Universität Bamberg zufolge wurden im Jahr 2018 in Deutschland schätzungsweise 280 Mio. Pakete und 487 Mio. Artikel zurückgeschickt. Der Rücktransport verursacht einen erneuten Schadstoffausstoß. Zeigen Sie uns Ihre Beispiele für „unsichtbaren Abfall“ im Online Handel und wie er vermieden werden kann.

Mikroplastik hat sich unsichtbar, fest und überall in unserem Leben festgesetzt, beispielsweise in Kosmetik, wie in Peelings, Duschgels und Shampoos, wo es als „Schleifmittel“ oder Füllstoff verwendet wird. Das meiste Mikroplastik entsteht sogar als Abrieb der Autoreifen. Mikroplastik begegnet uns auch in Form von Mikrofasern, die sich beim Waschen aus synthetischen Kleidungsstücken wie Fleece und Polyester lösen und ins Abwasser gelangen. Zeigen Sie uns Ihre Beispiele für „unsichtbaren Abfall“ durch Mikroplastik und wie er vermieden werden kann.

Auch Lebensmittelabfälle können als „unsichtbare Abfälle“ in der Gastronomie oder beim Catering nach dem Veranstaltungsende anfallen, die der Gast nicht sieht oder gewollt hat. Sei es schon während der Zubereitung von Speisen oder dann die Reste, die übrig bleiben können, weil beispielsweise der Beilagenreis viel zu großzügig portioniert wurde. Das ist nicht nur „rausgeworfenes“ Geld, sondern auch ökologisch problematisch: Große Mengen an Lebensmitteln werden produziert, verarbeitet, verpackt, transportiert und gelagert – und dann entsorgt. Alle Aktionen sind willkommen, die uns zeigen, wie wir überflüssige Lebensmittelabfälle vermeiden können.

Auch Einwegverpackungen mit Neodymmagneten aus Seltenen Erden können als Invisible Waste gesehen werden. Diese Magnete werden in Schachteln zum Beispiel in Zigarettenpapierverpackungen oder Pralinenschachteln eingesetzt. Sie dienen dort als Wiederverschluss. Die Magnete ermöglichen es, die Schachteln einfach zu handhaben und verschleißfrei mehrfach wieder zu verschließen. Solche Schachteln bieten durch das „Klacken“ beim Schließen eine multisensorische Erfahrung und verleihen dem Produkt so eine höhere Wertigkeit. Grundsätzlich ist die Verwendung von solchen Rohstoffen aber zu hinterfragen. Werden diese Einwegverpackungen zu Abfall, stehen die Seltenen Erden nicht mehr für das Recycling zur Verfügung. Deswegen sollten solche Einwegverpackungen grundsätzlich vermieden werden. Wir freuen uns auf alle Aktionen, die aufzeigen, wie zum Beispiel die Konsumentinnen und Konsumenten dahingehend sensibilisiert werden oder die Tabakindustrie auf Mehrwegschachteln umsteigen könnte.

Bei den Aktionen zu den aufgelisteten Themenschwerpunkten möchte die Koordinationsstelle den Akteuren freien Raum geben, ihre Ideen umzusetzen. Die Aktionen sollten die Fragen beantworten: Was verstehe ich unter Invisible Waste? Wie kann ich Andere zum Nachdenken über ihre eigenen „unsichtbaren Abfälle“ bewegen, indem ich die Menge an Invisible Waste sichtbar mache, die beim alltäglichen Konsum anfällt? Welche Ideen habe ich, mit denen jeder im Alltag auf pragmatische Weise weniger Abfall verursacht, der nicht auf den ersten Blick sichtbar ist? Wie lebe ich diese Ideen vor?

Die Anmeldung ist ab September möglich.

Herzliche Grüße

Ihr

Team Abfallvermeidung

GEFÖRDERT VON

Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit Mitteln zur Unterstützung der Internationalen Zusammenarbeit gefördert und vom Umweltbundesamt begleitet. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.